Graf
Chin. Sprache, Literatur, Kultur, Medizingeschichte, Universität Tübingen

Jun.-Prof. Dr. Emily Graf ist Juniorprofessorin für Chinesische Sprache, Literatur und Kultur an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Seit April 2023 lehrt und forscht sie am Asien-Orient-Institut der Universität und beschäftigt sich mit modernen chinesischen Gesellschafts-, Wissens- und Kulturgeschichte im globalen Kontext. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Geschichte der Medizin in China und ihrer Verflechtung mit globalen Entwicklungen im Gesundheitswesen.
Ihre akademische Ausbildung absolvierte Graf an der Universität Heidelberg mit einem Studium der Sinologie, Ostasiatischen Kunstgeschichte und Englischen Literatur. Während ihrer Studien- und Forschungszeit führten sie unter anderem nach Taiwan an die National Taiwan University sowie zu einem Visiting-PhD-Fellowship an die Renmin University of China in Peking. 2018 promovierte sie an der Universität Heidelberg mit einer Arbeit zur institutionellen Geschichte von Autorenmuseen in der Volksrepublik China, der DDR und Taiwan. Anschließend war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Postdoktorandin an der Freien Universität Berlin tätig, unter anderem im Bereich Globalgeschichte und im Forschungsverbund „Worldmaking from a Global Perspective: A Dialogue with China“.
Ein zentraler Bestandteil ihrer heutigen Forschung ist die Medizingeschichte Chinas als globale Wissens- und Verflechtungsgeschichte. In ihrem aktuellen Forschungsprojekt „The World(s) of Barefoot Doctors: Worldmaking and Global Health in the PRC“ untersucht Graf die Entstehung und internationale Zirkulation des Konzepts der sogenannten „Barfußärzte“ (barefoot doctors) seit den 1960er-Jahren. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Vorstellungen von Gesundheit, medizinischem Wissen und Primärversorgung in China entwickelten und wie diese Konzepte über China hinaus die internationale Diskussion über globale Gesundheit beeinflussten. Dabei untersucht sie ausdrücklich auch das Verhältnis und die Wechselwirkungen zwischen chinesischen und westlichen medizinischen Praktiken.
Ihre Forschung verbindet damit Sinologie, Globalgeschichte, Medizingeschichte und Wissensgeschichte. In der Lehre greift Graf diese Themen ebenfalls auf: Sie bietet unter anderem Lehrveranstaltungen zur Geschichte der Medizin in China, zu „China and Global Health“ sowie zu aktuellen Debatten über Kunst, Ethik, Geschichte und Medizin in China an. Neben ihrer Forschung zur Medizingeschichte arbeitet Graf zu chinesischer Literatur im globalen Kontext, kultureller Politik in der Volksrepublik China und Taiwan sowie zu Museen, Erinnerungskultur und der Konstruktion von Wissen und Authentizität.
