Kruschke
Sinologie, Wiss. - & Med. geschichte, Universität Erlangen-Nürnberg

Dr. phil. Renée Krusche ist Sinologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sinologie mit dem Schwerpunkt Geistes- und Kulturgeschichte Chinas an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Ihre Forschung verbindet chinesische Geschichte, Wissenschafts- und Medizingeschichte und untersucht, wie Wissen über Gesundheit, Krankheit und den menschlichen beziehungsweise tierischen Körper in China entstanden, vermittelt und gesellschaftlich geprägt wurde. Zu ihren ausgewiesenen Forschungsinteressen gehören die Medizingeschichte Chinas, Traditionelle Chinesische Medizin, Veterinärmedizin in China sowie historische Gesundheits- und Körperkonzepte.
Ihre wissenschaftliche Arbeit richtet den Blick insbesondere auf die Geschichte der Medizin und des Gesundheitswissens im modernen China. Dabei interessiert sie sich für die Wechselwirkungen zwischen traditionellen Wissensbeständen, staatlicher Gesundheitspolitik und modernen wissenschaftlichen Konzepten. Ein Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf der Zeit der Volksrepublik China und insbesondere auf der Mao-Zeit. Ihr 2022 erschienenes Buch The Healthy Socialist Life in Maoist China, 1949–1980 untersucht Vorstellungen von Gesundheit und das Verhältnis von Individuum, Körper und sozialistischem Staat in dieser historischen Phase.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Geschichte der chinesischen Veterinärmedizin. Krusche untersucht, wie traditionelle veterinärmedizinische Wissensbestände in China im 20. Jahrhundert neu eingeordnet und im Zuge staatlicher Modernisierungs- und Wissenschaftspolitik als wissenschaftlich legitimiertes Wissen etabliert wurden. In ihrer Forschung zu veterinärmedizinischen Handbüchern der Mao-Zeit zeigt sie unter anderem, wie Erfahrungswissen und traditionelle Kenntnisse mit den Anforderungen empirischer Wissenschaft verbunden wurden.
Darüber hinaus beschäftigt sich Krusche mit der Geschichte von Wissenschaft und Wissensnetzwerken in China. Im Forschungsprojekt „Scientists and their Knowledge Networks in the Cold War Era“ untersucht sie gemeinsam mit Forschenden der FAU transnationale Wissensbewegungen zwischen China, Japan, den USA, Westeuropa und der Sowjetunion. Dabei werden unter anderem die Mobilität von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Publikationen und Forschungsthemen über nationale Grenzen hinweg untersucht.
Neben ihrer Forschung ist Krusche in der akademischen Lehre der Sinologie tätig. An der FAU unterrichtet sie unter anderem chinesischsprachige Quellen und moderne chinesische Texte sowie Themen aus den Bereichen chinesische Wissenschafts-, Kultur- und Ideengeschichte. Darüber hinaus ist sie Mitbegründerin des Chinese Animal Studies Network, das interdisziplinär zu Mensch-Tier-Beziehungen und Tiergeschichte in China und Ostasien arbeitet.
